Häufig gestellte Fragen – Digitale Barrierefreiheit einfach erklärt
Antworten auf die wichtigsten Fragen zu BFSG, BITV 2.0, WCAG 2.2, barrierefreien Websites, PDFs und Apps – verständlich und praxisnah.
Gesetze & Standards
Was ist das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)?
Das BFSG ist die deutsche Umsetzung des European Accessibility Act (EAA). Es verpflichtet seit dem 28. Juni 2025 Unternehmen, die digitale Produkte oder Dienstleistungen für Verbraucher anbieten, diese barrierefrei zu gestalten. Betroffen sind unter anderem Online-Shops, Buchungsplattformen, Banking-Apps und Selbstbedienungsportale.
Wen betrifft das BFSG konkret?
Unternehmen, die B2C-Produkte oder -Dienstleistungen in den im BFSG definierten Kategorien anbieten – u. a. Online-Händler, Banken und Zahlungsdienstleister, Telekommunikationsanbieter, audiovisuelle Mediendienste, E-Book-Anbieter und Hersteller bestimmter Verbraucherelektronik. Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und maximal 2 Mio. € Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme sind als Dienstleistungserbringer ausgenommen (§ 7 BFSG). Öffentliche Stellen fallen nicht unter das BFSG, sondern unter die BITV 2.0.
Was ist der Unterschied zwischen BFSG und BITV 2.0?
Die aktuelle Fassung der BITV 2.0 gilt unmittelbar für öffentliche Stellen des Bundes und ist seit September 2018 in Kraft. Für Landes- und Kommunalbehörden gelten die jeweiligen Landesgleichstellungsgesetze, die sich ebenfalls an der EN 301 549 orientieren. Das BFSG richtet sich an privatwirtschaftliche Unternehmen und gilt seit Juni 2025. Beide referenzieren WCAG 2.2 als technischen Mindeststandard über die EN 301 549.
Was bedeutet WCAG 2.2 Level AA?
Die Web Content Accessibility Guidelines 2.2 des W3C definieren in drei Stufen (A, AA, AAA) Anforderungen an barrierefreie Webinhalte. Gesetzlich verbindlich ist WCAG 2.1 AA (über die EN 301 549). WCAG 2.2 ist der aktuelle Stand der Technik und empfehlenswert. Er umfasst Kriterien zu Kontrasten, Tastaturnavigation, Formularen, Fehlermeldungen und vieles mehr.
Was ist EN 301 549?
Die EN 301 549 ist die europäische Norm für Barrierefreiheit digitaler Produkte und Dienstleistungen. Sie bildet die Brücke zwischen den internationalen WCAG-Richtlinien und der europäischen Gesetzgebung (EAA/BFSG).
Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen das BFSG?
Bußgelder bis 100.000 € und behördliche Nachbesserungsanordnungen durch Marktüberwachungsbehörden. Ob BFSG-Verstöße auch wettbewerbsrechtliche Abmahnungen durch Mitbewerber ermöglichen (§ 3a UWG), ist juristisch noch nicht abschließend geklärt. Darüber hinaus verlieren Unternehmen den Zugang zu Kunden, die auf barrierefreie Angebote angewiesen sind.
Umsetzung & Kosten
Was kostet eine barrierefreie Website?
Eine neue barrierefreie Unternehmenswebsite beginnt bei ca. 8.000–15.000 €. Nachträgliche Optimierungen bestehender Seiten sind oft mit geringerem Budget umsetzbar. Die genauen Kosten hängen von Umfang, Funktionalität und Komplexität ab.
Wie lange dauert die Umsetzung?
Eine neue barrierefreie Website benötigt 8–16 Wochen inklusive Konzeption, Design, Entwicklung und Testing. Gezielte Optimierungen an bestehenden Seiten sind in 2–4 Wochen umsetzbar.
Reicht ein Overlay-Tool für Barrierefreiheit?
Nein. Overlay-Tools nehmen nur oberflächliche Anpassungen vor und können bestehende Hilfstechnologien sogar beeinträchtigen. Echte Barrierefreiheit erfordert saubere Umsetzung im Code, ein zugängliches Design und korrekt strukturierte Inhalte.
Müssen auch PDFs barrierefrei sein?
Ja. PDFs öffentlicher Stellen unterliegen der BITV 2.0 bzw. den Landesgesetzen. PDFs, die Teil einer BFSG-pflichtigen Dienstleistung sind (z.B. Vertragsdokumente, Produktinformationen), müssen von Unternehmen barrierefrei nach PDF/UA (ISO 14289) gestaltet werden – mit korrekter Tagging-Struktur, Alternativtexten und beschrifteten Formularfeldern.
Kann eine bestehende Website nachträglich barrierefrei gemacht werden?
Ja, durch einen Barrierefreiheits-Check und gezielte Anpassungen im Code, Design und Content. Bei gravierenden strukturellen Mängeln kann ein Relaunch wirtschaftlicher sein. Wir beraten Sie ehrlich, welcher Weg sinnvoller ist.
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